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Vortrag: Das Sprinter-Werk auf dem Weg zur digitalen Fabrik


Foto: Mercedes-Benz

Teltow-Ludwigsfelde | Michael Trunschke von der Mercedes Benz Ludwigsfelde GmbH stellte am 10. April in einem Vortrag im Industriemuseum Teltow das Sprinter-Werk auf dem Weg zur digitalen Fabrik vor. Sein Vortrag war Teil einer Reihe, die die Sonderausstellung "Industriekultur: Die Entwicklung der Arbeitswelt" begleiten. Mit der Sonderausstellung wird die Entwicklung der Arbeitswelt von der ersten bis zur vierten Industriellen Revolution dargestellt, und damit die Intelligente Fabrik "Industrie 4.0" behandelt.

1700 Ausführungen lieferbar

Seit dem 1. März 2018 läuft in Ludwigsfelde die dritte Generation des Bestsellers "Sprinter" in der offenen Variante vom Band. Mit der Umstellung der Produktion auf das neue Fahrzeug wurde eine wichtige Etappe für das Ziel einer "Intelligenten Fabrik" in der Serienfertigung eingeführt. Der neue Sprinter ist ein wichtiger Schritt von einem reinen Transportfahrzeug hin zu einer komplexen Lösung für die Logistik- und Transportanforderungen.

Dafür bietet das Fahrzeug neben einer hohen Variabilität (über 1700 Ausführungen) und einer hohen Wirtschaftlichkeit, Komfort- und Sicherheits-Features auf PKW-Niveau. Zu den wichtigsten Neuerungen zählt die Internet- Vernetzung und das Angebot unterschiedlicher Dienste in Echtzeit.

95 Prozent sind Facharbeiter

Mercedes Benz Ludwigsfelde fertigt für den weltweiten Absatz die offene Variante des Sprinter in 36 Grundmustern für 3 und 5 Tonnen, mit 21 Motorvarianten und in 400 Farben. Dadurch ist jedes Fahrzeug, welches das Montageband verlässt, ein Unikat (Losgröße 1) Die Produktion erfolgt mit rd. 2300 Mitarbeitern in 3 Schichten und einem Ausstoß von rund 250 Fahrzeugen pro Tag. Die Belegschaft in der Produktion besteht zu 95 % aus Facharbeitern, es werden aktuell 127 Lehrlinge ausgebildet.

Das Werk in Ludwigsfelde nimmt eine führende Rolle bei innovativen Produktionssystemen im Rahmen der Transportersparte von Mercedes-Benz ein. Das Ziel besteht darin, bis 2025 die Digitalisierung der Fabriken im Fertigungsverbund der Transporter zu erreichen. Dafür werden 20 Projekte weltweit mit ca. 100 Mitarbeitern und einem Investitionsvolumen von ca. 200 Mio € realisiert.

Für die intelligente und vernetzte Verarbeitung von Daten hat das Unternehmen mit Partnern eigens eine IT- Architektur entwickelt, die sich modular erweitern lassen soll, um künftig weltweit allen Werken des Konzerns den Austausch der Daten zu ermöglichen. Die Arbeiten für die "intelligente Produktion" sind zielgerichtete Schritte zur intelligenten Fabrik Industrie 4.0.

Alle Fertigungsunternehmen stehen vor großen Herausforderungen, sich auf die Bedingungen der Zukunft einzustellen. Diese bestehen in:

  1. Time to Market verkürzen
    Hersteller müssen ihre Produkte heute immer schneller auf den Markt bringen - obwohl sie immer komplexer werden. Früher hat ein großer Wettbewerber einen kleinen verdrängt, jetzt überholt der schnelle den langsamen.
  2. Flexibilität erhöhen
    Verbraucher wünschen sich individualisierte Produkte - aber zu einem Preis, den sie für ein Massenprodukt bezahlen würden. Das geht nur, wenn die Produktion flexibler ist als je zuvor.
  3. Qualität steigern
    Verbraucher belohnen hohe Qualität und bestrafen Qualitätsmängel. Um eine hohe Qualität sicherzustellen, und dabei die gesetzlichen Vorschriften zu erfüllen, müssen die Unternehmen geschlossene Qualitätskreisläufe etablieren und die Rückverfolgbarkeit der Produkte ermöglichen.
  4. Effizienz steigern
    Heute muss nicht nur das Produkt nachhaltig und umweltverträglich sein - auch in der Produktion ist Energieeffizienz zum Vorteil im Wettbewerb geworden.

Alle diese Anforderungen sollen mit der Digitalisierung in der Intelligenten Fabrik, Industrie 4.0, erfüllt werden. Die Intelligente Fabrik ist eine Vernetzung von autonomen, sich situativ selbst steuernden, sich selbst konfigurierenden, wissensbasierten, sensorgestützten und räumlich verteilten Produktionsressourcen (Produktionsmaschinen, Roboter, Förder- und Lagersysteme, Betriebsmittel) inklusive deren Planungs- und Steuerungssysteme.

Michael Trunschke stellte in seinem Vortrag folgende Lösungen der Sprinter-Produktion vor:

  • die papierlose Fabrik, die Ablösung der üblichen "Arbeitspapiere" durch digitale Lösungen über Computer und automatischer Code-erkennung
  • die RFID-Anwendung bei Spiegeln und Sitzen
  • die Prozess-Simulation und die digitale Prozesskette bis zur Big-Data Analyse der Prozesse und der Vorschau auf kommende Ereignisse mit Prognosedaten
  • eine intelligente Logistik bei der Montage durch die Bereitstellung des Materials je ein Fahrzeug durch automatischen Transport an den einzelnen Arbeitsplatz
  • einen Automatisierungsgrad im Rohbau von 80 % durch den Einsatz von Robotern und
  • die Anwendung virtueller Techniken in der Aus- und Weiterbildung und der Produktion.

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